Sexuelle Funktionsstörungen beim Mann – eine strukturierte Übersicht
Die männliche Sexualität ist facettenreich und wird von körperlichen, emotionalen und sozialen Faktoren beeinflusst
von Redaktion Hypnose Center Hendricks | Dezember 2025 | Allgemein
Eine strukturierte Übersicht
Sexuelle Funktionsstörungen bei Männern sind häufig und können in jedem Lebensalter auftreten. Sie betreffen nicht nur den Körper, sondern immer auch Psyche, Beziehung und Selbstwert. Viele Betroffene schweigen aus Scham, obwohl es heute gute diagnostische und therapeutische Möglichkeiten gibt.
Im Folgenden erhältst du eine strukturierte, sachliche Übersicht über wichtige Formen sexueller Störungen beim Mann, ihre typischen Symptome sowie mögliche körperliche und psychische Ursachen.
1. Allgemeine Grundlagen
Sexuelle Reaktionen (Verlangen, Erregung, Erektion, Ejakulation, Orgasmus) entstehen aus dem Zusammenspiel von:
- körperlichen Faktoren (Gefässe, Nerven, Hormone, Muskeln, Medikamente, Erkrankungen)
- psychischen Faktoren (Stimmungen, Ängste, Selbstbild, traumatische Erfahrungen, Stress)
- Beziehungs- und Kontextfaktoren (Partnerschaft, Kommunikationsmuster, Konflikte, kulturelle und religiöse Prägungen)
Eine sexuelle Funktionsstörung liegt in der Regel dann vor, wenn:
- die Beschwerden über längere Zeit bestehen,
- sie immer wieder oder dauerhaft auftreten,
- sie zu deutlichem Leidensdruck oder Problemen in der Partnerschaft führen.
Viele der folgenden Störungen treten kombiniert auf, zum Beispiel erektile Dysfunktion und Libidoverlust oder vorzeitiger Samenerguss und starke Leistungsangst.
Sexualität umfasst weit mehr als nur den Geschlechtsverkehr
2. Erektile Dysfunktion
Erektile Dysfunktion bezeichnet die anhaltende oder wiederkehrende Unfähigkeit, eine Erektion zu bekommen oder ausreichend lange aufrechtzuerhalten, um befriedigenden Geschlechtsverkehr zu erleben.
Typische Symptome bei Erektile Dysfunktion
- fehlende oder unzureichende Erektion trotz sexueller Erregung
- Erektion bricht frühzeitig ab
- morgendliche oder spontane Erektionen nehmen ab oder bleiben aus
- starker Leidensdruck, Schamgefühle, Rückzug aus der Sexualität
Mögliche körperliche Ursachen bei Erektile Dysfunktion
- Gefässerkrankungen (zum Beispiel Arteriosklerose, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
- Stoffwechselerkrankungen (zum Beispiel Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen)
- Hormonstörungen (zum Beispiel Testosteronmangel, Schilddrüsenerkrankungen)
- neurologische Erkrankungen (zum Beispiel Multiple Sklerose, Rückenmarksschäden, Polyneuropathie)
- Operationen und Verletzungen im Beckenbereich (zum Beispiel Prostataoperationen)
- Medikamente (bestimmte Blutdruckmittel, Antidepressiva, Neuroleptika und andere)
- Nikotin, Alkohol, Drogen
Wichtig: Eine erektile Dysfunktion kann ein frühes Warnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein und sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Mögliche psychische und psychosoziale Ursachen
- Leistungsdruck beim Sex, Versagensangst
- depressive Störungen, Angststörungen
- chronischer Stress, Erschöpfung, Burn-out
- negative sexuelle Erfahrungen, Traumata
- Konflikte in der Partnerschaft, mangelnde emotionale Nähe
- unrealistische Erwartungen an Sexualität (unter anderem durch Pornografie)
3. Vorzeitiger Samenerguss
Vom vorzeitigen Samenerguss spricht man, wenn der Samenerguss
- sehr früh eintritt (oft innerhalb einer Minute nach dem Eindringen oder sogar davor),
- der Betroffene die Ejakulation kaum oder gar nicht kontrollieren kann,
- und dies wiederholt zu Leidensdruck oder Problemen in der Partnerschaft führt.
Man unterscheidet:
- lebenslange Form (seit Beginn der sexuellen Aktivität)
- erworbene Form (tritt erst später im Leben auf)
Typische Symptome beim vorzeitigen Samenerguss
- rascher Samenerguss bei fast jedem oder jedem Geschlechtsverkehr
- Gefühl, die Ejakulation nicht steuern zu können
- Frustration, Scham, Angst vor der nächsten sexuellen Situation
- Partnerin oder Partner fühlt sich eventuell nicht ausreichend berücksichtigt
Mögliche körperliche Ursachen beim vorzeitigen Samenerguss
- selten anatomische Besonderheiten oder Entzündungen
- vereinzelt neurologische oder hormonelle Faktoren
In den meisten Fällen stehen keine eindeutig körperlichen Ursachen im Vordergrund.
Mögliche psychische und psychosoziale Ursachen beim vorzeitigen Samenerguss
- konditionierte Reaktionsmuster (zum Beispiel frühe Masturbation unter Zeitdruck)
- Leistungsdruck, Versagensangst, Angst, die Partnerin oder den Partner zu enttäuschen
- generelle Ängste, innere Unruhe, Stress
- Partnerschaftskonflikte, Misstrauen, geringes Vertrauen
4. Verzögerte oder ausbleibende Ejakulation
Verzögerte oder ausbleibende Ejakulation bedeutet, dass der Samenerguss
- nur nach sehr langer Stimulation eintritt (oft deutlich länger als gewünscht) oder
- trotz ausreichender sexueller Erregung gar nicht erfolgt.
Die Störung kann situationsabhängig oder in allen Situationen auftreten.
Typische Symptome bei Verzögerte oder ausbleibende Ejakulation
- sehr lange bis extrem lange Latenz bis zum Samenerguss
- Unfähigkeit zum Samenerguss beim Geschlechtsverkehr, aber vielleicht bei der Selbstbefriedigung
- starkes Erschöpfungsgefühl, Frustration
- Unsicherheit über die eigene sexuelle Funktion, Zweifel an der Männlichkeit
Mögliche körperliche Ursachen bei Verzögerte oder ausbleibende Ejakulation
- Medikamente, vor allem bestimmte Antidepressiva (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) sowie andere psychotrope Medikamente
- neurologische Erkrankungen oder Verletzungen
- hormonelle Störungen
- chronische Erkrankungen, die Nerven oder Gefässe betreffen
- Folgen von Operationen im Beckenbereich
Mögliche psychische und psychosoziale Ursachen bei Verzögerte oder ausbleibende Ejakulation
- starke Kontrollbedürfnisse, Schwierigkeiten, sich fallen zu lassen
- Angst vor Kontrollverlust oder vor „peinlichen Situationen“
- religiöse oder moralische Konflikte mit Sexualität
- ambivalente oder negative Gefühle gegenüber der Partnerin oder dem Partner
- depressive Stimmungen, innere Leere
5. Vermindertes sexuelles Verlangen (Libidoverlust)
Libidoverlust beschreibt ein deutlich vermindertes oder fehlendes Interesse an sexueller Aktivität, das für die betroffene Person neu ist oder als belastend erlebt wird.
Wichtig ist, dass es grosse individuelle Unterschiede im „normalen“ sexuellen Verlangen gibt. Entscheidend ist der eigene Leidensdruck oder der Leidensdruck in der Beziehung.
Typische Symptome bei vermindertes sexuelles Verlangen (Libidoverlust)
- kaum Gedanken an Sexualität, seltenes oder kein Bedürfnis nach Sex
- seltener Wunsch nach Selbstbefriedigung
- Gefühl von Gleichgültigkeit gegenüber sexuellen Reizen
- Verunsicherung, ob man „noch normal“ ist
- Spannungen in der Partnerschaft, wenn die Bedürfnisse stark auseinandergehen
Mögliche körperliche Ursachen bei vermindertes sexuelles Verlangen (Libidoverlust)
- Testosteronmangel oder andere Hormonstörungen
- chronische Erkrankungen (zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren- oder Lebererkrankungen)
- Schmerzen, Erschöpfung, Schlafstörungen
- Medikamente (unter anderem Antidepressiva, Blutdrucksenker, Hormontherapien)
- Alkohol- oder Drogenkonsum
Mögliche psychische und psychosoziale Ursachen bei vermindertes sexuelles Verlangen (Libidoverlust)
- depressive Störungen, Angststörungen
- anhaltender Stress im Beruf oder Alltag
- Burn-out, innere Überlastung
- Konflikte in der Partnerschaft, fehlende emotionale Nähe
- negative sexuelle Erfahrungen, Schamgefühle, Schuldgefühle
- kulturelle oder religiöse Prägungen, die Sexualität negativ bewerten
6. Männliche hypoaktive Sexualitätsstörung
Einordnung
Die männliche hypoaktive Sexualitätsstörung ist eine diagnostische Kategorie in Klassifikationssystemen der Psychiatrie. Inhaltlich ähnelt sie dem beschriebenen Libidoverlust, ist jedoch genauer definiert.
Zentrale Kriterien (vereinfacht dargestellt)
- anhaltend oder wiederkehrend deutlich vermindertes sexuelles Verlangen
- kaum sexuelle Fantasien oder Gedanken über längere Zeit
- deutlicher Leidensdruck des Betroffenen
- Dauer meist mindestens mehrere Monate
- keine bessere Erklärung durch andere Störungen, schwere körperliche Erkrankungen oder Substanzgebrauch
Relevante Zusammenhänge
- biologische Faktoren (zum Beispiel Testosteronmangel) und psychische Faktoren (zum Beispiel Depression) können zusammenwirken
- die Störung ist oft mit anderen sexuellen Funktionsstörungen verknüpft (zum Beispiel erektile Dysfunktion)
- Partnerschaftsfaktoren spielen eine wichtige Rolle (Nähe, Vertrauen, Konflikte, Kommunikation)
7. Sexuelle Aversion
Sexuelle Aversion beschreibt eine ausgeprägte Abneigung oder sogar Ekel gegenüber sexuellen Aktivitäten. Der Gedanke an Sexualität kann starke Angst, Panik oder Widerwillen auslösen.
Typische Symptome bei Sexuelle Aversion
- intensiver Ekel oder Angst beim Gedanken an Sex oder körperliche Nähe
- Vermeidung von Situationen, die zu Sexualität führen könnten
- körperliche Symptome bei sexueller Annäherung (zum Beispiel Herzrasen, Zittern, Übelkeit)
- starke Beziehungsprobleme, da körperliche Nähe kaum möglich ist
- Scham und Schuldgefühle über die eigene Reaktion
Mögliche Ursachen bei einer Sexuelle Aversion
- traumatische Erfahrungen (zum Beispiel sexueller Missbrauch, sexuelle Gewalt)
- sehr negative erste sexuelle Erfahrungen
- stark ängstigende oder strafende Erziehung in Bezug auf Sexualität
- tief sitzende Überzeugungen, dass Sexualität „schmutzig“ oder gefährlich sei
- andere psychische Störungen, zum Beispiel posttraumatische Belastungsstörung oder schwere Angststörungen
8. Penisbiegung (Peyronie-Krankheit)
Die Peyronie-Krankheit ist eine Erkrankung des Penis, bei der sich bindegewebige Verhärtungen (Plaques) in der Hülle der Schwellkörper bilden. Dies kann zu einer sichtbaren Biegung des Penis bei Erektion führen.
Typische Symptome bei einer Penisbiegung (Peyronie-Krankheit)
- deutliche Krümmung des erigierten Penis, nach oben, unten oder zur Seite
- tastbare harte Knoten oder Stränge im Penisschaft
- Schmerzen bei der Erektion
- Erektionsprobleme (durch Schmerzen oder Angst)
- Scham, Vermeidung von Sexualität, Rückzug
Mögliche Ursachen und Zusammenhänge einer Penisbiegung (Peyronie-Krankheit)
- vermutlich Mikroverletzungen des Schwellkörpers, zum Beispiel bei starker mechanischer Belastung
- fehlerhafte Heilungsprozesse mit übermässiger Narbenbildung
- genetische Faktoren und Bindegewebserkrankungen werden diskutiert
- psychische Belastung und Verunsicherung verstärken häufig die sexuellen Probleme
Wichtig: Eine Peyronie-Krankheit ist eine körperliche Erkrankung und sollte durch Fachärzt:innen für Urologie abgeklärt werden.
9. Priapismus
Priapismus ist eine länger als etwa vier Stunden anhaltende, meist schmerzhafte Erektion, die nicht durch sexuelle Erregung bedingt ist. Es handelt sich um einen urologischen Notfall, da länger anhaltender Priapismus das Schwellkörpergewebe dauerhaft schädigen kann.
Typische Symptome bei Priapismus
- anhaltende Erektion ohne oder nach Ende sexueller Reizung
- starke Schmerzen im Penis
- Penis bleibt steif, die Eichel kann weich bleiben
- zunehmende Sorge, Panik oder Verzweiflung
Mögliche Ursachen beim Priapismus
- Blutkrankheiten (zum Beispiel Sichelzellanämie, Leukämien)
- Medikamente zur Behandlung der erektilen Dysfunktion (zum Beispiel Schwellkörperinjektionen, seltener Tabletten)
- bestimmte andere Medikamente oder Rauschmittel
- Verletzungen im Beckenbereich
- in manchen Fällen keine eindeutige Ursache
Ein Priapismus erfordert sofortige ärztliche Behandlung in einer Notfallstation. Sonst droht eine dauerhafte erektile Dysfunktion.
10. Anorgasmie
Anorgasmie bedeutet, dass trotz ausreichender sexueller Erregung und Stimulation kein Orgasmus erreicht wird. Dies kann lebenslang bestehen oder erst im Verlauf des Lebens auftreten.
Typische Symptome bei einer Anorgasmie
- starke Erregung ist möglich, aber kein Orgasmus
- Orgasmus eventuell nur in bestimmten Situationen (zum Beispiel bei Selbstbefriedigung, aber nicht in der Partnerschaft)
- Frustration, innere Anspannung, Zweifel an der eigenen Sexualität
- teils Kombination mit verzögerter Ejakulation
Mögliche körperliche Ursachen einer Anorgasmie
- Medikamente, insbesondere Antidepressiva und andere psychotrope Substanzen
- neurologische Erkrankungen, Rückenmarksschäden
- hormonelle Störungen
- Operationen oder Verletzungen im Beckenbereich
Mögliche psychische und psychosoziale Ursachen einer Anorgasmie
- starke Selbstkontrolle, Schwierigkeiten beim Loslassen
- Angst vor Kontrollverlust, Scham wegen körperlicher Reaktionen
- negative oder ambivalente Einstellungen zu Sexualität
- Beziehungsprobleme, mangelndes Vertrauen, ungelöste Konflikte
- unrealistische Vorstellungen, wie sich ein Orgasmus „anfühlen muss“
11. Sexuelle Funktionsstörungen durch Medikamente oder Substanzen
Medikamente
Viele Medikamente können Sexualfunktionen beeinflussen. Häufig betroffen sind:
- Antidepressiva, besonders Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (vermindertes Verlangen, verzögerte Ejakulation, Anorgasmie)
- Neuroleptika und andere Psychopharmaka (Libidoverlust, erektile Störung, Ejakulationsstörung)
- Blutdrucksenker (erektile Störung, Libidoveränderungen)
- Medikamente gegen Prostatavergrösserung oder Haarausfall (Libidoverlust, erektile Probleme, Ejakulationsveränderungen)
- Hormontherapien (zum Beispiel Senkung des Testosteronspiegels)
Wichtig: Medikamente sollten niemals eigenmächtig abgesetzt oder verändert werden. Änderungen gehören immer in ärztliche Hände.
Substanzen
- Alkohol: In geringen Mengen manchmal enthemmend, in höheren Dosen störend für Erektion, Erregung und Orgasmus
- Nikotin: langfristig schädlich für Gefässe, begünstigt erektile Dysfunktion
- Drogen (zum Beispiel Kokain, Amphetamine, Cannabis, Opiate): können kurzfristig die Wahrnehmung verändern, langfristig jedoch Sexualfunktionen stark beeinträchtigen
- Anabolika und andere Hormone: können natürliche Hormonregulation stören und zu Libidoverlust, Hodenverkleinerung und erektilen Störungen führen
Wie Hypnose dich bei Erektionsproblemen unterstützen kann!
- Stress und inneren Leistungsdruck sanft reduzieren
- Selbstbewusstsein und Gefühl von Männlichkeit stärken
- Ängste und Versagensgedanken beruhigen
- belastende Erfahrungen und innere Blockaden bearbeiten
- die Verbindung zwischen Geist und Körper harmonisieren
- eine natürliche Ergänzung zu medizinischen Möglichkeiten nutzen
Die Hypnosetherapie kann eine achtsame und nachhaltige Unterstützung sein, um dein Sexualleben Schritt für Schritt zu verbessern. Im Mittelpunkt steht, die zugrunde liegenden Ursachen zu erkennen und zu bearbeiten – nicht nur die Symptome.
Sie ersetzt jedoch keine ärztliche Abklärung oder Behandlung, sondern lässt sich sinnvoll damit verbinden.